Kontaktlinsen-Ratgeber: Sicheres Tragen, Risiken und augenärztliche Kontrolle
Kontaktlinsen sind für viele Menschen eine komfortable Alternative zur Brille. Sie ermöglichen ein freies Sichtfeld, stören nicht beim Sport und können Fehlsichtigkeiten wie Myopie (Kurzsichtigkeit), Hyperopie (Weitsichtigkeit), Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) oder Presbyopie (Alterssichtigkeit) korrigieren.
Damit Kontaktlinsen dauerhaft gut vertragen werden, müssen sie jedoch exakt zum Auge passen. Entscheidend sind nicht nur die Sehstärke, sondern auch die Form der Hornhaut (Kornea), der Zustand des Tränenfilms, die Sauerstoffversorgung der Augenoberfläche und die richtige Pflege. Eine professionelle Kontaktlinsenanpassung beim Augenarzt hilft, Reizungen, Infektionen und Schäden an der Hornhaut frühzeitig zu vermeiden.
Kontaktlinsen-Rechner
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Warum Kontaktlinsen augenärztlich angepasst werden sollten
Kontaktlinsen liegen direkt auf der Tränenflüssigkeit vor der Hornhaut. Deshalb müssen sie sich gut bewegen, zentriert sitzen und ausreichend Sauerstoff an die Hornhaut lassen. Bei einer Anpassung werden unter anderem die Hornhautradien, der sichtbare Hornhautdurchmesser, die Refraktion und der Tränenfilm beurteilt.
Wichtig ist auch die sogenannte Überrefraktion. Dabei wird geprüft, ob die gewählte Kontaktlinse am Auge tatsächlich die bestmögliche Sehschärfe erreicht. Zusätzlich achtet der Augenarzt auf Sitz, Bewegung, Benetzung und mögliche Druckstellen.
Eine rein rechnerische Ermittlung der Kontaktlinsenwerte kann nur eine Orientierung liefern. Die endgültige Beurteilung muss immer direkt am Auge erfolgen. Auch der bestehende Ratgeber weist darauf hin, dass Faktoren wie Sitz, Bewegung, Zentrierung, Tränenfilm und Überrefraktion entscheidend sind.
Erhöhtes Risiko für Augeninfektionen
Kontaktlinsenträger haben ein höheres Risiko für Infektionen der Augenoberfläche. Der Grund ist, dass beim Einsetzen und Herausnehmen der Linsen regelmäßig Finger, Linsenmaterial und Pflegemittel mit dem Auge in Kontakt kommen. Dadurch können Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze leichter auf die Augenoberfläche gelangen.
Besonders problematisch sind beschädigte, verschmutzte oder zu lange getragene Kontaktlinsen. Kleine Kratzer oder Ablagerungen auf der Linse können die Hornhaut reizen. Dadurch kann die natürliche Schutzbarriere der Kornea gestört werden. In schweren Fällen kann es zu einer Keratitis, also einer Hornhautentzündung, kommen. Der vorhandene Ratgeber beschreibt ebenfalls, dass Kontaktlinsen bei schlechter Hygiene oder Beschädigung das Risiko für Infektionen und Hornhautschäden erhöhen können.
Kontaktlinsen nicht länger tragen als empfohlen
Kontaktlinsen sollten nur so lange getragen werden, wie es für den jeweiligen Linsentyp empfohlen wird. Tageslinsen, Monatslinsen, formstabile Kontaktlinsen und Speziallinsen unterscheiden sich deutlich in Material, Sauerstoffdurchlässigkeit und Pflegeaufwand.
Wer Kontaktlinsen zu lange im Auge behält, riskiert Reizungen, Rötungen, Schmerzen und Entzündungen. Besonders das Schlafen mit Kontaktlinsen ist problematisch, sofern die Linsen nicht ausdrücklich dafür zugelassen wurden. Während des Schlafs ist die Sauerstoffversorgung der Hornhaut ohnehin reduziert. Kontaktlinsen können diese Situation zusätzlich verschlechtern.
Eine unzureichende Sauerstoffversorgung der Hornhaut wird medizinisch als korneale Hypoxie bezeichnet. Sie kann zu Schwellungen der Hornhaut, kleinen Epithelschäden und einer erhöhten Infektanfälligkeit führen.
Sauerstoffversorgung der Hornhaut
Die Hornhaut besitzt keine eigenen Blutgefäße. Sie erhält Sauerstoff überwiegend aus der Umgebungsluft über den Tränenfilm. Kontaktlinsen bilden eine zusätzliche Schicht zwischen Luft und Hornhaut. Deshalb ist die Sauerstoffpermeabilität des Materials besonders wichtig.
Moderne Silikon-Hydrogel-Linsen sind meist sauerstoffdurchlässiger als ältere weiche Linsenmaterialien. Dennoch gilt: Auch gut verträgliche Kontaktlinsen sollten nicht dauerhaft ohne Pause getragen werden. Kontaktlinsenfreie Zeiten entlasten die Augenoberfläche und unterstützen einen stabilen Tränenfilm.
Trockene Augen durch Kontaktlinsen
Viele Kontaktlinsenträger kennen Beschwerden wie Brennen, Kratzen, Fremdkörpergefühl oder müde Augen. Häufig steckt eine Störung des Tränenfilms dahinter. Medizinisch spricht man vom Sicca-Syndrom oder von einer Keratoconjunctivitis sicca, wenn trockene Augen die Bindehaut und Hornhaut reizen.
Kontaktlinsen können den Tränenfilm verändern. Sie teilen ihn in einen vorderen und hinteren Tränenfilmanteil. Dadurch kann die Benetzung ungleichmäßig werden. Besonders bei Bildschirmarbeit, trockener Raumluft, Klimaanlagen, Allergien oder hormonellen Veränderungen können die Beschwerden zunehmen.
Geeignete benetzende Augentropfen, sogenannte künstliche Tränen, können helfen. Wichtig ist, dass die Tropfen mit Kontaktlinsen verträglich sind. Bei häufigen Beschwerden sollte der Tränenfilm augenärztlich untersucht werden.
Weiche und formstabile Kontaktlinsen
Weiche Kontaktlinsen bestehen aus flexiblem Material und passen sich gut an die Augenoberfläche an. Sie werden oft als angenehm empfunden und eignen sich für Alltag, Freizeit und Sport. Es gibt sie als Tages-, Wochen- oder Monatslinsen.
Formstabile Kontaktlinsen, früher oft „harte Kontaktlinsen“ genannt, behalten ihre Form auf dem Auge. Sie sind meist sehr sauerstoffdurchlässig und können bei bestimmten Sehfehlern besonders gute optische Ergebnisse liefern. Dazu gehören stärkere Hornhautverkrümmungen oder spezielle Hornhautveränderungen wie ein Keratokonus.
Welche Kontaktlinse geeignet ist, hängt von Anatomie, Tränenfilm, Sehfehler, Beruf, Freizeitverhalten und Verträglichkeit ab.
Hornhautgeschwür: Eine ernste Komplikation
Eine der schwerwiegenden Komplikationen beim falschen Kontaktlinsengebrauch ist das Hornhautulkus, also ein Hornhautgeschwür. Dabei entsteht eine offene, entzündliche Läsion der Hornhaut. Ursache kann eine bakterielle, virale, mykotische oder parasitäre Infektion sein.
Ein Hornhautulkus kann starke Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, Rötung, Tränenfluss und eine Verschlechterung der Sehschärfe verursachen. Unbehandelt können Narben entstehen, die dauerhaft das Sehen beeinträchtigen.
Warnzeichen sind:
- starke Augenschmerzen
- zunehmende Rötung
- Lichtscheu, medizinisch Photophobie
- verschwommenes Sehen
- eitriges Sekret
- starkes Fremdkörpergefühl
- Beschwerden nach dem Schlafen mit Kontaktlinsen
Bei solchen Symptomen sollte sofort ein Augenarzt aufgesucht werden.
Allergien und Kontaktlinsen
Pollen, Hausstaub, Tierhaare oder andere Allergene können an Kontaktlinsen haften bleiben. Dadurch können allergische Beschwerden verstärkt werden. Typisch sind Juckreiz, Tränenfluss, Rötung und geschwollene Lider.
Bei einer allergischen Konjunktivitis reagiert die Bindehaut überempfindlich auf Allergene. Kontaktlinsen können diese Reaktion verstärken, weil sich Reizstoffe auf der Linsenoberfläche ansammeln.
In der Allergiesaison kann es sinnvoll sein, häufiger eine Brille zu tragen, Tageslinsen zu verwenden oder konservierungsmittelfreie benetzende Augentropfen einzusetzen. Auch eine Umstellung des Pflegesystems kann helfen.
Richtige Reinigung und Pflege
Eine sorgfältige Hygiene ist entscheidend für gesundes Kontaktlinsentragen. Vor jedem Kontakt mit den Linsen sollten die Hände gründlich gewaschen und abgetrocknet werden. Kontaktlinsen sollten niemals mit Leitungswasser abgespült werden, da darin Keime wie Akanthamöben vorkommen können. Diese können eine seltene, aber schwere Hornhautinfektion verursachen.
Für Monats- oder Wochenlinsen sollte ausschließlich ein geeignetes Kontaktlinsenpflegemittel verwendet werden. Peroxidbasierte Systeme können bei Ablagerungen und empfindlichen Augen sinnvoll sein, müssen aber korrekt neutralisiert werden. Nicht neutralisiertes Wasserstoffperoxid darf niemals direkt ins Auge gelangen.
Der Linsenbehälter sollte regelmäßig gereinigt, trocken gelagert und in sinnvollen Abständen ersetzt werden.
Tageslinsen als hygienische Alternative
Tageslinsen werden morgens frisch eingesetzt und abends entsorgt. Dadurch entstehen weniger Ablagerungen auf der Linsenoberfläche. Für Menschen mit empfindlichen Augen, Allergien oder trockenem Auge können Tageslinsen eine gute Option sein.
Sie ersetzen jedoch nicht die richtige Anwendung. Auch Tageslinsen dürfen nicht mit Wasser in Kontakt kommen und sollten nicht länger getragen werden als empfohlen.
Wann sollten Kontaktlinsenträger zum Augenarzt?
Kontaktlinsenträger sollten regelmäßig augenärztlich kontrolliert werden, auch wenn keine Beschwerden bestehen. Dabei können Hornhaut, Bindehaut, Lider, Tränenfilm und Sehschärfe überprüft werden.
Eine zeitnahe Untersuchung ist besonders wichtig bei:
- Schmerzen
- deutlicher Rötung
- Lichtempfindlichkeit
- Sehverschlechterung
- eitrigem oder schleimigem Sekret
- plötzlich schlechter Verträglichkeit
- Fremdkörpergefühl
- Verdacht auf beschädigte Kontaktlinsen
- Beschwerden nach dem Schlafen mit Linsen
Das Augenzentrum Ulm kann Kontaktlinsenträger augenärztlich untersuchen, mögliche Komplikationen erkennen und die passende Behandlung oder Anpassung empfehlen.
Fazit
Kontaktlinsen können eine sehr gute und flexible Möglichkeit zur Sehkorrektur sein. Voraussetzung ist jedoch, dass sie fachgerecht angepasst, richtig gepflegt und nicht zu lange getragen werden. Besonders wichtig sind eine gesunde Hornhaut, ein stabiler Tränenfilm und eine gute Sauerstoffversorgung.
Fragen zu Kontaktlinsen
Eine professionelle Kontaktlinsenanpassung beim Augenarzt sorgt dafür, dass die Linsen optimal zu Ihren Augen passen. Dabei werden Hornhaut, Tränenfilm und Sehstärke genau überprüft. So können Beschwerden vermieden und ein hoher Tragekomfort sowie gesundes Sehen langfristig unterstützt werden.
Wichtig: Regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt!
Auch bei guter Verträglichkeit sollten Kontaktlinsenträger ihre Augen regelmäßig kontrollieren lassen. Dabei können Veränderungen der Hornhaut, trockene Augen oder Sehverschlechterungen frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig wird die aktuelle Sehstärke überprüft.
Erhöhtes Risiko für Augeninfektionen?
Beim Tragen von Kontaktlinsen gelangen Finger häufiger in direkten Kontakt mit den Augen. Dadurch können Bakterien oder Keime leichter übertragen werden. Besonders beschädigte oder schlecht gereinigte Kontaktlinsen erhöhen das Risiko für Entzündungen und Infektionen der Hornhaut deutlich.
Kontaktlinsen nicht zu lange tragen!
Werden Kontaktlinsen länger getragen als empfohlen, kann die Hornhaut gereizt werden. Dies kann zu Rötungen, Schmerzen oder Entzündungen führen. Besonders nachts sollten Kontaktlinsen möglichst nicht getragen werden, da das Auge während des Schlafs empfindlicher reagiert.
Leidet die Sauerstoffversorgung der Augen?
Die Hornhaut benötigt ausreichend Sauerstoff, um gesund zu bleiben. Kontaktlinsen können die Sauerstoffzufuhr einschränken, besonders bei langen Tragezeiten. Dadurch steigt das Risiko für Reizungen, trockene Augen oder Entzündungen der empfindlichen Augenoberfläche.
Bekommt man Trockene Augen durch Kontaktlinsen?
Kontaktlinsen können den natürlichen Tränenfilm beeinflussen und dadurch trockene Augen verursachen. Viele Betroffene klagen über Brennen, Jucken oder ein Fremdkörpergefühl. Moderne Kontaktlinsen und passende Pflegemittel können helfen, die Beschwerden deutlich zu reduzieren.
Harte Kontaktlinsen?
Harte Kontaktlinsen bieten eine besonders präzise Sehkorrektur und sind oft langlebiger als weiche Linsen. Sie eignen sich vor allem bei Hornhautverkrümmungen oder speziellen Sehproblemen. Die Eingewöhnung dauert meist etwas länger, dafür sind sie sehr sauerstoffdurchlässig.
Weiche Kontaktlinsen?
Weiche Kontaktlinsen passen sich flexibel an das Auge an und bieten einen hohen Tragekomfort. Viele Menschen empfinden sie besonders angenehm im Alltag oder beim Sport. Sie sind als Tages-, Wochen- oder Monatslinsen erhältlich und leicht in der Anwendung.
Risiko für Hornhautgeschwüre?
Durch falsches Tragen oder mangelnde Reinigung von Kontaktlinsen können schmerzhafte Hornhautgeschwüre entstehen. Dabei handelt es sich um offene Stellen auf der Hornhaut, die unbehandelt zu Sehschäden führen können. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind deshalb wichtig.
Allergien und Kontaktlinsen?
Pollen, Staub oder andere Allergene können sich an Kontaktlinsen festsetzen und Beschwerden verstärken. Häufig entstehen juckende, gerötete oder tränende Augen. Besonders während der Allergiesaison sollten Kontaktlinsen sorgfältig gereinigt und gegebenenfalls häufiger gewechselt werden.
Zeitweise Brille tragen?
Bei gereizten oder allergisch belasteten Augen kann eine Brille die Augen entlasten. Dadurch kommt die Augenoberfläche zur Ruhe und der direkte Kontakt mit Allergenen wird reduziert. Viele Augenärzte empfehlen deshalb regelmäßige kontaktlinsenfreie Zeiten.
Kontaktlinsen häufiger reinigen?
Eine gründliche Reinigung entfernt Ablagerungen, Keime und Allergene von der Oberfläche der Kontaktlinsen. Dadurch wird das Risiko für Entzündungen reduziert. Besonders wichtig ist die Verwendung geeigneter Pflegemittel, die auf die jeweiligen Kontaktlinsen abgestimmt sind.
Tageslinsen verwenden?
Tägliche Einweg-Kontaktlinsen werden jeden Tag frisch eingesetzt und anschließend entsorgt. Dadurch sammeln sich weniger Ablagerungen und Allergene auf der Linsenoberfläche. Viele Menschen mit empfindlichen oder trockenen Augen vertragen Tageslinsen besonders gut.

